Autorin: Carolin Kühnast – Apothekerin & Fachautorin
Ein Pärchen joggt gemeinsam durch einen Park.

Kreislaufprobleme: Was passiert dabei im Körper?

Schwindel, Müdigkeit und ein Schwächegefühl sind typische Anzeichen von Kreislaufproblemen. Dennoch können sich die Beschwerden individuell sehr unterschiedlich äußern und verschiedene Ursachen haben. Wenn „der Kreislauf im Keller“ ist, bedeutet das meist: Das Blut zirkuliert nicht mehr ausreichend stabil. Die Blutgefäße stellen sich weit, das Herz pumpt langsamer als gewöhnlich und der Blutdruck sinkt.

Ein Blutdruckabfall geht daher häufig mit einer Kreislaufschwäche einher. Bei einigen Menschen ist der Blutdruck dauerhaft niedrig, meist unter 100/60 mmHg. Als Orientierung gilt ein Wert von etwa 120/80 mmHg als normal. Wird das Blut nicht mit ausreichendem Druck durch den Körper gepumpt, werden Organe vorübergehend schlechter mit Sauerstoff versorgt. Besonders empfindlich reagiert dabei das Gehirn. Manche Menschen erleben solche Beschwerden wiederholt, bei anderen treten sie plötzlich und abrupt auf.

Warum entstehen Kreislaufprobleme?

Kreislaufprobleme können durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Dazu zählen langes Stehen, Stress, Schmerzen, Flüssigkeitsmangel oder eine sehr üppige Mahlzeit. Auch nach einem Infekt oder bei hohen Temperaturen treten die Beschwerden häufiger auf. Bei manchen Menschen entstehen sie vor allem beim schnellen Aufstehen aus dem Liegen. Typisch sind dann Schwindel oder Lichtblitze vor den Augen. Diese Form wird als orthostatische Dysregulation bezeichnet.

Manchmal entstehen Kreislaufprobleme erst, wenn mehrere Auslöser zusammenkommen oder bestimmte Vorerkrankungen vorliegen, etwa ein dauerhaft niedriger Blutdruck, Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Auch Medikamente können eine Rolle spielen, zum Beispiel bestimmte Mittel gegen Prostatabeschwerden, Antidepressiva oder Blutdrucksenker. Gut zu wissen: Gerade zu Beginn einer Behandlung mit Blutdrucksenkern können Kreislaufbeschwerden auftreten, weil sich der Körper zunächst an den niedrigeren Blutdruck anpassen muss. Häufig bessern sich die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Wochen. Halten sie länger an, sollte erneut ärztliche Rücksprache gehalten werden.

Daran erkennt man Kreislaufprobleme:


  • Schwindel,
  • Benommenheit,
  • Kopfschmerzen,
  • Müdigkeit und Schwäche,
  • Übelkeit oder Erbrechen,
  • Herzrasen,
  • kalte Hände und Füße,
  • Schlafprobleme und Unruhe,
  • Augenflimmern („Lichtblitze vor den Augen“),
  • Ohrensausen,
  • übermäßiges Schwitzen,
  • kurzfristige Ohnmacht.

Bei Ohnmacht: Kreislaufprobleme medizinisch abklären lassen

Treten Kreislaufprobleme erstmals oder besonders stark auf, sollten die Beschwerden ärztlich abgeklärt werden. Das gilt insbesondere für Kinder, Jugendliche, Schwangere und ältere Menschen. Auch nach einer Ohnmacht ist eine zeitnahe medizinische Abklärung wichtig. So lassen sich andere Ursachen ausschließen oder gezielt behandeln. Je nach Beschwerdebild können beispielsweise Herzerkrankungen, Venenerkrankungen, Blutarmut, ein Hitzschlag oder Erkrankungen der Schilddrüse dahinterstecken.

Für die Untersuchung stehen verschiedene medizinische Verfahren zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel ein Elektrokardiogramm (EKG), ein Herzultraschall, eine Elektroenzephalographie (EEG) sowie körperliche Funktionstests. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von den Beschwerden, möglichen Risikofaktoren und der individuellen Vorgeschichte ab. Die genaue Ursache zu kennen, ist wichtig, um eine passende Behandlung auszuwählen und Kreislaufbeschwerden gezielt anzugehen.

Mann trinkt Wasser beim Joggen.

Soforthilfe bei akuten Kreislaufproblemen


Bei akuten Kreislaufproblemen sollten Sie sich möglichst hinlegen und die Beine hochlagern. Ist das nicht möglich, können Sie sich hinsetzen und die Beine überkreuzen. Beides unterstützt den Rückfluss des Blutes zum Herzen und kann die Blutversorgung des Gehirns verbessern. Zusätzlich kann ein kühles, feuchtes Tuch im Nacken stabilisierend wirken. Bessern sich die Beschwerden nicht oder treten sie kurz darauf erneut auf, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Wie lassen sich Kreislaufprobleme vorbeugen?

Wenn Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen wurden, können verschiedene Maßnahmen im Alltag helfen, Kreislaufproblemen langfristig vorzubeugen. Entscheidend ist, was Ihnen guttut und sich zuverlässig in Ihren Alltag integrieren lässt. Regelmäßige Bewegung regt den Kreislauf an und trainiert das Herz-Kreislauf-System. Optimal sind 15 bis 30 Minuten täglich, angepasst an den persönlichen Trainingszustand. So werden zusätzlich die Muskeln gestärkt und die Gelenkfunktion stärkt. Auch Kältereize, etwa durch Wechselduschen, Kneipp-Anwendungen oder vorsichtiges Eisbaden, können die Anpassungsfähigkeit des Körpers unterstützen. So kann er auf belastende Einflüsse wie Hitze mit der Zeit stabiler reagieren.

Achten Sie außerdem auf eine ausreichende Trinkmenge und erhöhen Sie diese bei warmem Wetter oder körperlicher Aktivität. Geeignet sind vor allem Wasser und ungesüßter Kräutertee. Kaffee kann den Kreislauf kurzfristig anregen, allerdings vor allem dann, wenn er nicht regelmäßig getrunken wird. Bei gewohnheitsmäßigem Konsum fällt der Blutdruckanstieg oft deutlich geringer aus oder bleibt aus. Vermeiden Sie sehr üppige Mahlzeiten. Auch Kochsalz kann den Blutdruck leicht erhöhen, sollte aber dennoch bewusst und nicht übermäßig eingesetzt werden.

Treten die Kreislaufprobleme vor allem nach dem Aufstehen aus dem Bett auf, können ein leicht erhöhter Oberkörper beim Schlafen oder Kompressionsstrümpfe hilfreich sein. Lassen Sie sich dazu vorab ärztlich oder in der Apotheke beraten. Auch bestimmte Arzneimittel können die Kreislauffunktion unterstützen. Dazu zählen Präparate mit Weißdorn: Blätter, Früchte und Blüten der Pflanze werden traditionell zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems eingesetzt. Je nach Präparat können sie bei akuten Schwächegefühlen oder zur längerfristigen Unterstützung angewendet werden und gelten in der Regel als gut verträglich.

Achtung Hitzewelle: 5 Tipps gegen Kreislaufprobleme bei hohen Temperaturen


Man sieht mehrere Beine, die auf einem Sofa abgelegt werden zur Entspannung.
  • Ausreichend trinken: Flüssigkeit unterstützt den Körper dabei, Wärme zu regulieren und den Kreislauf stabil zu halten. Geeignet sind kühle, aber nicht eiskalte Getränke, möglichst in kleinen Schlucken über den Tag verteilt.
  • Den Körper abkühlen: Klimatisierte Räume, Schatten oder kühle Aufenthaltsorte entlasten den Kreislauf. Auch ein Bad im See, Pool oder Meer sowie kaltes Wasser über den Unterarmen können helfen.
  • Bei starkem Schwitzen Elektrolyte ergänzen: Über den Schweiß verliert der Körper Mineralstoffe, die für die Kreislaufregulation wichtig sind. Geeignet sind zum Beispiel mineralstoffreiches Wasser, Saftschorlen oder Elektrolytlösungen aus der Apotheke.
  • Omega-3-Fettsäuren: Leinöl, Rapsöl, Avocado, Nüsse
  • Den Rückfluss des Blutes unterstützen: Sanfte Massagen der Beine oder Kompressionsstrümpfe können den venösen Rückstrom erleichtern. Dadurch gelangt das Blut besser aus den Beinen zurück in Richtung Körpermitte.
  • Es ruhig angehen lassen: Leichte Bewegung kann den Kreislauf bei schwül-warmem Wetter unterstützen. Wichtig sind regelmäßige Pausen, ausreichend Schatten und das Hochlegen der Beine, wenn sich Schwäche oder Schwindel bemerkbar machen.

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