
Immunsystem trainieren? Was Ihnen wirklich hilft!
Die kalte Jahreszeit hält Einzug und schon schnupft und niest es wieder in jeder Ecke. Auf der Arbeit fehlt die Lieblingskollegin und auch der neue Mitarbeiter ist wieder zu Hause, weil eines seiner Kinder eine Erkältung hat. Neben all den Infektgeplagten gibt es jedoch auch immer wieder einzelne, die von sich sagen können: „Also ich bin nie krank.“ Doch was wie eine Superheldenkraft wirkt, hat häufig mit vielen kleinen Faktoren, Voraussetzungen und Alltagssituationen zu tun.
Mit „nie krank“ ist meist gemeint, dass jemand von typischen Erkältungen verschont bleibt. Das sagt jedoch nicht automatisch etwas über ein besonders „starkes“ oder „schwaches“ Immunsystem aus. Wie häufig jemand erkältet ist, hängt von vielen Faktoren ab: vom Kontakt mit Krankheitserregern, vom Alter, von Vorerkrankungen, Schlaf, Stress, Ernährung, Bewegung und der individuellen Immunantwort.
Kann man das eigene Immunsystem trainieren?
Anders als Muskeln lässt sich das Immunsystem nicht einfach durch Training stärken. Es ist kein einzelnes Organ, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Schutzmechanismen. Dazu gehören die Schleimhäute in Mund, Rachen, Magen und Darm, die eine erste Barriere gegen Krankheitserreger bilden. Auch Immunzellen arbeiten in mehreren Schritten zusammen, um Erreger abzuwehren.
Das angeborene Immunsystem reagiert schnell auf Krankheitserreger. Die erworbene Immunabwehr kann dagegen ein gezieltes, oft lang anhaltendes Gedächtnis gegen bestimmte Erreger aufbauen. Nach diesem Prinzip funktionieren Schutzimpfungen, etwa gegen Grippe.

Kleine Kinder nehmen deshalb gefühlt jeden Infekt mit: Ihr Immungedächtnis ist noch nicht ausgereift, und sie begegnen vielen Krankheitserregern zum ersten Mal. Nach und nach lernt das Immunsystem, diese Eindringlinge gezielt abzuwehren. Das bedeutet jedoch nicht, dass man später im Leben keine Infekte mehr bekommt. Zwar kann der Körper nun bestimmte Erreger wiedererkennen, gegen die vielen unterschiedlichen und veränderlichen Erkältungserreger schützt eine überstandene Erkältung jedoch meist nur begrenzt. Deshalb ist es besser, Kontakt zu akut Erkrankten möglichst zu vermeiden, statt ihn zum „Training“ zu suchen. Jeder Infekt kann zudem Komplikationen verursachen.
Immun-Superheld: Der Mensch, der nie krank wird
Stellen wir uns einen gesunden Erwachsenen mittleren Alters vor – nicht als Ideal, sondern als Gedankenexperiment. Er raucht nicht, hat keine dauerhaften Erkrankungen etwa der Lunge, des Herzens oder des Stoffwechsels und nimmt keine Medikamente, die die Abwehr schwächen. Ob jemand männlich oder weiblich ist, lässt dagegen keinen verlässlichen Schluss darauf zu, wie häufig Erkältungen auftreten.
Er bewegt sich regelmäßig, schläft meist sieben bis acht Stunden und ernährt sich abwechslungsreich. Er plant Pausen ein, vermeidet Dauerstress, achtet auf eine ausreichende Nährstoffversorgung und hält seinen Impfschutz aktuell. Auch sein Alltag senkt Risiken: Er lüftet regelmäßig, wäscht sich vor dem Essen und nach dem Heimkommen die Hände und hält bei akuten Infekten möglichst Abstand. Vermutlich hat er zudem weniger engen Kontakt zu kleinen Kindern oder erkrankten Menschen und begegnet dadurch seltener Erkältungsviren.
Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch! Einen "perfekten Durchschnittsmenschen", der nie erkältet ist, gibt es nicht. Selbst bei günstigen Voraussetzungen bleibt ein Risiko: Viren und Bakterien begegnen uns im Alltag überall und jeder Körper reagiert anders. Hinzu kommen Zufälle und Situationen, die wir nicht beeinflussen können.
3 Dinge, die Ihr Immunsystem wirklich auf die kalte Jahreszeit vorbereiten

- Regelmäßige moderate Bewegung: So können Immunzellen besser im Blut zirkulieren. Bei einem akuten Infekt sind jedoch Ruhe und Schonung angesagt.
- Erholsame Pausen und regelmäßiger Schlaf: Länger anhaltender Schlafmangel und Stress können die Entstehung von Infekten im Körper begünstigen.
- Eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche Ernährung: Sie hilft, einen Mangel an wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zu vermeiden.
Wichtige Mikronährstoffe für das Immunsystem
Damit das Immunsystem normal funktioniert, braucht es verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Am besten wird der Bedarf durch eine abwechslungsreiche Ernährung gedeckt. Wichtig ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C, was in hohen Mengen in Sanddorn, roter Paprika und schwarzen Johannisbeeren vorkommt. Eine routinemäßige Einnahme hochdosierter Vitamin-C-Präparate zur Erkältungsvorbeugung ist bei ausreichender Versorgung nicht erforderlich. Regelmäßig eingenommenes Vitamin C kann die Erkältungsdauer geringfügig verkürzen, verhindert Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung jedoch nicht.
Auch Zink ist wichtig. Viel davon steckt beispielsweise in Kürbiskernen, Haferflocken, Rindfleisch und verschiedenen Käsesorten. Vitamin D trägt ebenfalls zu einem normal funktionierenden Immunsystem bei. Im Winter bildet der Körper durch Sonnenlicht oft weniger davon. Deshalb kann es sinnvoll sein, den persönlichen Vitamin-D-Wert prüfen zu lassen – in der ärztlichen Praxis oder in vielen Apotheken. Bei einem festgestellten Mangel kann ein Vitamin-D-Präparat infrage kommen. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Pluspunkt Apotheke beraten.
Eisbaden oder Sauna: Wirkung nicht ausreichend belegt
Wechselduschen, Wassertreten nach Kneipp oder Eisbaden gelten oft als Training für die Abwehr, denn die Kältereize sollen den Kreislauf anregen und den Körper widerstandsfähiger machen. Ob die Methoden tatsächlich vor Infekten schützen, ist wissenschaftlich jedoch nicht ausreichend belegt. Einzelne Untersuchungen deuten zwar auf mögliche Effekte hin, verlässliche Nachweise fehlen aber.
Auch für vorbeugendes Saunieren gibt es keine ausreichenden Belege dafür, dass man seltener krank wird. Bei einem akuten Infekt sollte man auf Sauna und Eisbaden auf jeden Fall verzichten: Beides belastet das Herz-Kreislauf-System, während der Körper bereits mit der Abwehr des Infekts beschäftigt ist.
